Ergebnisse vom 36. Hermannslauf 2007
Pressespiegel (2)
Bielefelder Tageszeitungen:
Neue Westfälische, Nr. 100 vom Montag, den 30. April 2007
Artikel der Hermannslauf-Sonderseiten

Krull stemmt die Favoritenbürde
Ex-Sprinterin Pfenningschmidt sensationell schnell
VON CLAUS-WERNER KREFT
Bielefeld

Eine souveräne, eine strahlende Siegerin lief um 13.06 Uhr ins Ziel: Silvia Krull hatte dem Druck, Favoritin zu sein, locker standgehalten. Ihren ersten Triumph wertete sie durch eine tolle Zeit auf. 2:06:13 Stunden - ein Sprung um rund elf Minuten gegenüber 2006. "Da ist kaum noch eine Steigerung denkbar", freute sich die Lipperin.

Minuten nach dem Erfolg stand sie noch ganz unter dem Eindruck der begeisternden Stimmung an der Promenade: "Das Publikum ist ungemein motivierend, die Atmosphäre einfach unglaublich." Das war hilfreich in einer Endphase, die auch die Siegerin noch bis ans Limit forderte. "Auf den letzten Kilometern habe ich nur gedacht, jetzt musst du durchkommen." Gefährdet war ihr Erfolg aber nicht, zu groß der Vorsprung.

Von Beginn an war die 28-Jährige ihr eigenes Rennen gelaufen. "Auf der Strecke habe ich keine Konkurrentin im Blick gehabt und bis zum Schlussabschnitt auch keinen kritischen Punkt erlebt", sah sie ihr Training und ihre Taktik bestätigt. Nachdem sie auf die Marathon-DM verzichtet hat und gestern dafür belohnt wurde, freut sie sich schon auf den Berlin-Marathon im Herbst: "Da möchte ich meine 2:50:45 Stunden von Steinfurt unterbieten."

Um die übrigen Medaillen entwickelte sich ein spannender "Dreikampf", wie man ihn in dieser Dichte bei den Frauen selten gesehen hat. Erst in Oerlinghausen bahnte sich eine Vorentscheidung an. Hobbyläuferin Silke Pfenningschmidt, schon 2006 als Neunte einstellig platziert, löste sich von den Gütersloherinnen Melanie Genrich und Claudia Meyer. Mit Walkman und lockerem Schritt unterbot die Außenseiterin "netto" sogar noch das 2:10-er Limit um acht Sekunden - auch dies eine spektakuläre Steigerung um zwölf Minuten. Die Tochter des früheren 400-Meter-Kreisrekordlers Michael Pfenningschmidt galt vor knapp zehn Jahren als hoffnungsvolles Sprinttalent, legte mit 16 die 100 Meter in 12,73 Sekunden zurück. "Den Langlauf betreibe ich als Ausgleich zum anstrengenden Studium", erklärte die 25-Jährige.

Im Blick auf das Spitzentrio sprach Moderator Wolfgang Temme von drei Sensationen. Gemeint waren die Leistungssprünge der Favoritin und der weithin unbekannten Außenseiterin - und die erstaunliche Vorstellung der 43-jährigen Debütantin Claudia Meyer, die auf der Zielgeraden noch ihre DJK- Teamkollegin Melanie Genrich überspurtete.

"Ich bin mehr als zufrieden", strahlte die Mutter zweier Töchter, "2:20 hatte ich mir vorgenommen, 2:15 erhofft. Und jetzt ist sogar 2:10 herausgesprungen. Gleichfalls hoch erfreut über ihre Zeit (2:10:42), aber tief enttäuscht über ihren Platz zeigte sich Melanie Genrich noch bei der Siegerehrung: "Ich wollte aufs Treppchen und war mir auch schon sicher. Niemand hat mir zugerufen, dass ich noch angegriffen wurde."

Fotos:   Eine Belohnung für die Siegerin: Rudi Ostermann vom TSVE Bielefeld überreicht Silvia Krull den Lorbeerkranz.   (FOTO: Heyer)
  Überraschungszweite: Silke Pfenningschmidt.  (FOTO: Heyer)
  Rasanter Schlussspurt: Claudia Meyer fing auf den letzten Metern noch Melanie Genrich (hinten) ab und wurde Dritte.  (FOTO: Heyer)