VON CLAUS-WERNER KREFT
Bielefeld
Eine souveräne, eine strahlende Siegerin lief um
13.06 Uhr ins Ziel: Silvia Krull
hatte dem Druck, Favoritin zu
sein, locker standgehalten.
Ihren ersten Triumph wertete sie
durch eine tolle Zeit auf. 2:06:13
Stunden - ein Sprung um rund
elf Minuten gegenüber 2006.
"Da ist kaum noch eine Steigerung
denkbar", freute sich die Lipperin.
Minuten nach dem Erfolg
stand sie noch ganz unter
dem Eindruck der begeisternden
Stimmung an der Promenade:
"Das Publikum ist ungemein
motivierend, die Atmosphäre
einfach unglaublich." Das war
hilfreich in einer Endphase, die
auch die Siegerin noch bis ans Limit
forderte. "Auf den letzten Kilometern
habe ich nur gedacht,
jetzt musst du durchkommen."
Gefährdet war ihr Erfolg aber
nicht, zu groß der Vorsprung.
Von Beginn an war die 28-Jährige
ihr eigenes Rennen gelaufen.
"Auf der Strecke habe ich
keine Konkurrentin im Blick gehabt
und bis zum Schlussabschnitt
auch keinen kritischen
Punkt erlebt", sah sie ihr Training
und ihre Taktik bestätigt.
Nachdem sie auf die Marathon-DM
verzichtet hat und gestern
dafür belohnt wurde, freut sie
sich schon auf den Berlin-Marathon
im Herbst: "Da möchte ich
meine 2:50:45 Stunden von
Steinfurt unterbieten."
Um die übrigen Medaillen
entwickelte sich ein spannender
"Dreikampf", wie man ihn in dieser
Dichte bei den Frauen selten
gesehen hat. Erst in Oerlinghausen
bahnte sich eine Vorentscheidung
an. Hobbyläuferin Silke
Pfenningschmidt, schon 2006
als Neunte einstellig platziert,
löste sich von den Gütersloherinnen
Melanie Genrich und Claudia
Meyer. Mit Walkman und lockerem
Schritt unterbot die Außenseiterin
"netto" sogar noch
das 2:10-er Limit um acht Sekunden
- auch dies eine spektakuläre
Steigerung um zwölf Minuten.
Die Tochter des früheren
400-Meter-Kreisrekordlers
Michael Pfenningschmidt galt vor
knapp zehn Jahren als hoffnungsvolles
Sprinttalent, legte
mit 16 die 100 Meter in
12,73 Sekunden zurück. "Den
Langlauf betreibe ich als Ausgleich
zum anstrengenden Studium",
erklärte die 25-Jährige.
Im Blick auf das Spitzentrio
sprach Moderator Wolfgang
Temme von drei Sensationen.
Gemeint waren die Leistungssprünge
der Favoritin und der
weithin unbekannten Außenseiterin
- und die erstaunliche Vorstellung
der 43-jährigen Debütantin
Claudia Meyer, die auf
der Zielgeraden noch ihre DJK-
Teamkollegin Melanie Genrich
überspurtete.
"Ich bin mehr als zufrieden",
strahlte die Mutter zweier Töchter,
"2:20 hatte ich mir vorgenommen,
2:15 erhofft. Und jetzt
ist sogar 2:10 herausgesprungen.
Gleichfalls hoch erfreut
über ihre Zeit (2:10:42), aber tief
enttäuscht über ihren Platz
zeigte sich Melanie Genrich
noch bei der Siegerehrung: "Ich
wollte aufs Treppchen und war
mir auch schon sicher. Niemand
hat mir zugerufen, dass ich noch
angegriffen wurde."
| Fotos: |
Eine Belohnung für die Siegerin: Rudi Ostermann vom
TSVE Bielefeld überreicht Silvia Krull den Lorbeerkranz.
(FOTO: Heyer) |
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Überraschungszweite: Silke Pfenningschmidt. (FOTO: Heyer) |
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Rasanter Schlussspurt: Claudia Meyer fing auf den letzten
Metern noch Melanie Genrich (hinten) ab und wurde Dritte. (FOTO: Heyer) |