Von Hans Peter Tipp
Bielefeld (WB). Mal rauf,
mal runter, manchmal steil,
dann wieder moderat. Diese
regelmäßigen Unregelmäßigkeit
ten haben zwischen Hermannsdenkmal
und Sparrenburg
schon viele Aktiven straucheln
lassen. Der neue Hermannslaufsieger
Ingo Horst behielt bei
seinem ersten Start jederzeit die
Orientierung.
Nach genau 1:48:59 Stunde trug
der Klangteppich der vielen tausend
applaudierenden Zuschauer
an der Promenade unterhalb der
Bielefelder Sparrenburg den 27
Jahre alten vielfachen deutschen
Orientierungslaufmeister als
Ersten ins Ziel.
Obwohl der harte Kampf um
den Sieg mit seinem Titelvorgänger
Marcus Biehl (SV Brackwede /
1:49:41) dem neuen Champion
noch ins Gesicht geschrieben
stand, analysierte
dieser bereits, warum bei
seinem ersten Start dem
»Hausherrn« den
Rang ablief: »Die
Strecke kam mir entgegen,
weil sie so unrhythmisch ist.«
Zur Erklärung:
Orientierungsläufer müssen sich
bei ihren Wettbewerben stets
durch unwegiges Gelände kämpfen.
Deshalb sind ihre Zeiten auch
nicht vergleichbar mit denen auf
geraden Strecken gelaufenen. Und
deshalb wusste auch niemand so
Recht, wie denn der respektvoll
von allen Seiten zum Mitfavoriten
gemachte Sportler aus Oberweser-
Arenborn denn nun wirklich über
die Strecke kommen würde.
»Vielleicht kann ich nur in
olympischen Jahren gewinnen.«
Marcus B i e h l, Sieger von
2000 und 2004, gestern Zweiter
Nur einer hatte nichts anderes
als den Sieg erwartet. Peter Gehrmann,
Horst's Trainer von der
ASG Teutoburger Wald und neben
Starter Wolfgang Schlüter einer
der Mitbegründer des Hermannslaufes.
»Ich hatte nichts anderes
erwartet. Schließlich ist er ja
Weltklasse im Orientierungslauf«,
sagte der Hermannslauf-Veteran
Gehrmann, der seinen Schützling
mit dem Fahrrad begleitet hatte.
Die Entscheidung fiel am Anstieg
zum Eisernen Anton: Kurz
zuvor hatte Biehl noch geführt und
hatte selber bereits an den dritten
Hermannslauf-Sieg nach 2000 und
2004 gedacht: »Bei Kilometer 25
war ich mir relativ sicher, dass ich
gewinne.« Doch dann saß der
Konter des Geländemannes: »Ich
habe mich wohl übernommen.
Deshalb konnte ich nicht mehr
folgen. Zudem hatte ich Seitenstiche,
und die bekommt man ja
meistens, wenn man zu schnell
läuft«, berichtete Biehl.
Dem neuen Champion zollte er
großen Respekt, und auch mit der
eigenen Zeit war er keineswegs
unzufrieden. »Ich möchte in fünf
Wochen beim Marathon in Minden
Bestzeit laufen.« Das Ziel
des neuen Hermannslaufsiegers ist
ein anderes: Der Diplom-Bauingenieur
will bei der Weltmeisterschaft
der Orientierungsläufer in Japan eine
gute Rolle spielen.
Seitenstiche wie Biehl plagten
auch den Mitfavoriten Philipp
Brouwer (LC Paderborn). Der
22-jährige Mittelstreckler steckte
nach 20 Kilometern in der
Führungsgruppe zurück. Ende im
Gelände. Nach längerer Bedenkzeit
(»Ich habe daran gedacht auszusteigen,
aber es war kein Auto da«)
lief er schließlich entspannt ins
Ziel nach Bielefeld - als 31. und
damit meilenweit entfernt von den
eigenen Ansprüchen.
| Foto: |
Erfolgreiches Dreigestirn der Hermanns-Session 2005 (v.L.):
Oliver Reins, Gewinner Ingo Horst und der Zweitplatzierte, Marcus Biehl.
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