Ergebnisse vom 33. Hermannslauf 2004
Pressespiegel (2)
Bielefelder Tageszeitungen:
Westfalen-Blatt, Nr. 97 vom Montag, den 26. April 2004
Artikel der Sport-Sonderseiten zum Hermannslauf

Einmal Hermann, immer Hermann: Vier fehlten noch nie
Das Quartett der Veteranen
Von Hans Peter T i p p (Texte) und Bernhard Pierel (Fotos)
B i e l e f e l d (WB).

Die »33« trug Paul Jäger stolz auf der Brust: »Ich bekomme immer die Nummer des Laufes«, sagt der 75 Jahre alte Sportler des TSVE Bielefeld, jenes Vereins, der am letzten Wochen­ende im April den Hermanns­lauf ausrichtet. Gestern zum 33. Mal: Also schmückte jene Schnaps­zahl das Trikot des Rentners, der als einer von vier »Veteranen« bislang bei jeder Auflage dabei war. Neben Jäger haben der Harse­winkeler Herbert Brandt, der Bielefelder Hermann Rieger und Manfred Düscher aus Bad Salzuflen seit dem ersten Lauf 1971 nicht ein einziges Mal gefehlt. Auch gestern wanderten sie alle wieder mit, inzwischen ein kleines Ritual. Ihre Begeisterung und das Gefühl, die Serie auf keinen Fall reißen lassen zu wollen, hatte sie auch am Sonntag wieder bewegt.

Wenn die »ewigen Hermänner« über ihre Erlebnisse auf der Strecke erzählen, dann denken sie alle zuerst ans Wetter: Mal war's eiskalt, mal brütend heiß, dann wieder regnete es bis in die Stiefel - genau das macht diesen Lauf aus ihrer Sicht neben der einzig­artigen Strecke zu seinem Erlebnis, das man sich nicht oft genug gönnen kann. Gestern beim 33. Mal war alles perfekt: »Keine Pfützen, kein Schlamm, angenehme Temperaturen: Besser hätte es nicht sein können«, sagte Paul Jäger, und die Anderen des »eisernen Quartetts« nickten zustimmend.

Dem Bewährten verhaftet, dem Neuen nicht abgeneigt - Herbert Brandt, mit 76 Jahren der Senior im Quartett der Veteranen, probierte gestern sogar eine Neuerung aus . Er legte die 30,6 Kilometer mit »Nordic Walking-Stöcken« zurück: »Im vergangenen Jahr hat mich eine Frau mit diesen Dingern an den Bergauf-Stücken immer überholt, da habe ich mir gedacht: Da muss etwas dran sein.« Die eigene »Taktik« hat er indes nicht verändert: aufwärts wird gewandert, abwärts gelaufen. »Jedenfalls so lange, wie es geht«, sagt er. Das Laufen hat der fitte 76-Jährige aber längst noch nicht drangegeben. »Das will ich nicht verlernen«, sagt der ehemalige Claas-Angestellte. Deshalb trainiert er regelmäßig und ist auch gern gesehener Gast bei zahlreichen Volks­läufen der Region. Den Hermann legte er früher schon in 2:20 Stunden zurück. »Das ist jetzt natürlich nicht mehr drin. Das Walken ist aber eine gute Alter­native«, findet der ehemalige Kommunal­politiker und langjährige zweite Vorsitzende der TSG Harsewinkel, der erst mit 40 - auf ärztliche Empfehlung - den Laufsport entdeckte.

Für den Jüngsten im Reigen der »vier Aufrechten« ist es interessant, zu einem solch kleinen Zirkel zu zählen. »Das Veteranen-Dasein motiviert mich«, sagt Manfred Düscher aus Bad Salzuflen-Wüsten. Dem Industrie­kaufmann ist - auch beim »Hermann« - das erste Mal unver­gesslich geblieben: »Ich hatte erst am Lauftag nachgemeldet. Sonst hätte es diese Serie gar nicht gegeben.« Der frühere Handball-Torwart des HC Grastrup-Ehrsen lief dann auf der damals noch 35 km langen Strecke gleich eine Zeit (2:41 Stunden), die er nie unterbieten konnte. Grenz­erfahrungen gab es dagegen häufig gratis: »Wenn ich im Ziel für den nächsten Lauf hätte unterschreiben müssen, hätte ich verweigert. Aber das legt sich nach einer gewissen Zeit immer wieder.« Das Wandern ist des Riegers Lust - so könnte in Anspielung auf Hermann Rieger gedichtet werden. Der '73-jährige ehemalige Fuß­baller und Rad­sportler aus Bielefeld lebt auf Schusters Rappen, seit er vier Jahre alt ist. »Den Hermanns­weg würde ich auch im Dunkeln finden«, sagt er. Kein Wunder: Der ehemalige Stadt­amtsrat ist Haupt­vorsitzender des Teuto­burger Wald-Vereins, und als Wander­führer zeigt er die Schön­heiten dieses Wanderweges nur allzu gern staunenden »Neulingen«.

Das Laufen hat er vor acht Jahren eingestellt, der eigene Ehrgeiz ist ungebrochen. Denn obwohl bei den Wanderern die Zeit nicht gemessen wird, fehlte weder bei ihm noch bei seinen Mit­streitern im Ziel der Blick auf die Uhr. Zufrieden waren sie im Ziel alle und dachten bereits auf das Wieder­sehen im nächsten Jahr.

»Der Dienstag ist immer der schlimmste Tag. Da weiß ich vor Muskelkater nicht, was ich mit mir anfangen soll.« Herbert Brandt, gestern zum 33. Mal am Start.

Foto:   Vier Richtige : Herbert Brandt, Paul Jäger, Manfred Düscher und Hermann Rieger (von links) haben nicht einen einzigen Hermannslauf verpasst. Nach dem 33. Zieleinlauf nutzten die »ewigen Hermänner« gestern vor der Sparrenburg die Gelegenheit, sich für das nächste Jahr zu verabreden.



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