Von Hans Peter T i p p (Texte) und Bernhard Pierel (Fotos)
B i e l e f e l d (WB).
Die »33« trug Paul Jäger stolz auf der Brust:
»Ich bekomme immer die Nummer des Laufes«, sagt der 75 Jahre
alte Sportler des TSVE Bielefeld, jenes Vereins, der am letzten
Wochenende im April den Hermannslauf ausrichtet. Gestern zum
33. Mal: Also schmückte jene Schnapszahl das Trikot des Rentners,
der als einer von vier »Veteranen« bislang bei jeder Auflage dabei
war. Neben Jäger haben der Harsewinkeler Herbert Brandt, der
Bielefelder Hermann Rieger und Manfred Düscher aus Bad Salzuflen
seit dem ersten Lauf 1971 nicht ein einziges Mal gefehlt. Auch
gestern wanderten sie alle wieder mit, inzwischen ein kleines Ritual.
Ihre Begeisterung und das Gefühl, die Serie auf keinen Fall reißen
lassen zu wollen, hatte sie auch am Sonntag wieder bewegt.
Wenn die »ewigen Hermänner«
über ihre Erlebnisse auf der Strecke
erzählen, dann denken sie alle
zuerst ans Wetter: Mal war's eiskalt,
mal brütend heiß, dann wieder
regnete es bis in die Stiefel -
genau das macht diesen Lauf aus
ihrer Sicht neben der einzigartigen
Strecke zu seinem Erlebnis, das
man sich nicht oft genug gönnen
kann. Gestern beim 33. Mal war
alles perfekt: »Keine Pfützen, kein
Schlamm, angenehme Temperaturen:
Besser hätte es nicht sein
können«, sagte Paul Jäger, und die
Anderen des »eisernen Quartetts«
nickten zustimmend.
Dem Bewährten verhaftet, dem
Neuen nicht abgeneigt - Herbert
Brandt, mit 76 Jahren der Senior
im Quartett der Veteranen, probierte
gestern sogar eine Neuerung
aus . Er legte die 30,6 Kilometer
mit »Nordic Walking-Stöcken«
zurück: »Im vergangenen Jahr
hat mich eine Frau
mit diesen Dingern an
den Bergauf-Stücken
immer überholt, da habe ich mir
gedacht: Da muss etwas dran
sein.« Die eigene »Taktik« hat er
indes nicht verändert: aufwärts
wird gewandert, abwärts gelaufen.
»Jedenfalls so lange, wie es geht«,
sagt er. Das Laufen hat der fitte
76-Jährige aber längst noch nicht
drangegeben. »Das will ich nicht
verlernen«, sagt der ehemalige
Claas-Angestellte. Deshalb trainiert
er regelmäßig und ist auch
gern gesehener Gast bei zahlreichen
Volksläufen der Region. Den
Hermann legte er früher schon in
2:20 Stunden zurück. »Das ist jetzt
natürlich nicht mehr drin. Das
Walken ist aber eine gute Alternative«,
findet der ehemalige
Kommunalpolitiker und langjährige
zweite Vorsitzende der TSG Harsewinkel,
der erst mit 40 - auf
ärztliche Empfehlung - den Laufsport
entdeckte.
Für den Jüngsten im Reigen der
»vier Aufrechten« ist es interessant,
zu einem solch kleinen Zirkel
zu zählen. »Das Veteranen-Dasein
motiviert mich«, sagt Manfred
Düscher aus Bad Salzuflen-Wüsten.
Dem Industriekaufmann ist - auch
beim »Hermann« - das erste Mal
unvergesslich geblieben: »Ich hatte
erst am Lauftag nachgemeldet.
Sonst hätte es diese Serie gar
nicht gegeben.« Der frühere
Handball-Torwart des HC Grastrup-Ehrsen
lief dann auf der damals
noch 35 km langen Strecke gleich
eine Zeit (2:41 Stunden), die er nie
unterbieten konnte. Grenzerfahrungen
gab es dagegen häufig
gratis: »Wenn ich im Ziel für den
nächsten Lauf hätte unterschreiben
müssen, hätte ich verweigert.
Aber das legt sich nach einer
gewissen Zeit immer wieder.«
Das Wandern ist des Riegers
Lust - so könnte in Anspielung auf
Hermann Rieger gedichtet werden.
Der '73-jährige ehemalige Fußballer
und Radsportler aus Bielefeld
lebt auf Schusters Rappen, seit er
vier Jahre alt ist. »Den Hermannsweg
würde ich auch im Dunkeln
finden«, sagt er. Kein Wunder: Der
ehemalige Stadtamtsrat ist
Hauptvorsitzender des Teutoburger
Wald-Vereins, und als Wanderführer
zeigt er die Schönheiten dieses
Wanderweges nur allzu gern staunenden
»Neulingen«.
Das Laufen hat er vor acht
Jahren eingestellt, der eigene
Ehrgeiz ist ungebrochen. Denn obwohl
bei den Wanderern die Zeit
nicht gemessen wird, fehlte weder
bei ihm noch bei seinen Mitstreitern
im Ziel der Blick auf die Uhr.
Zufrieden waren sie im Ziel alle
und dachten bereits auf das
Wiedersehen im nächsten Jahr.
»Der Dienstag ist immer der schlimmste Tag. Da weiß ich
vor Muskelkater nicht, was ich mit mir anfangen soll.«
Herbert Brandt, gestern zum 33. Mal am Start.
| Foto: |
Vier Richtige : Herbert Brandt, Paul Jäger, Manfred Düscher
und Hermann Rieger (von links) haben nicht einen einzigen
Hermannslauf verpasst. Nach
dem 33. Zieleinlauf nutzten die »ewigen Hermänner« gestern
vor der Sparrenburg die Gelegenheit,
sich für das nächste Jahr zu verabreden.
|